Zum Hauptinhalt springen

Kurt Schüle

(1944–2022)

Kindheit und Jugend

Kurt Schüle wurde am 23. August 1944 in Schaffhausen geboren. Er wuchs in Buchthalen auf und besuchte die Kantonsschule, wo er der abstinenten Verbindung Munot beitrat und den Übernamen «Bimbo» erhielt. Bereits als Kantonsschüler war Kurt Schüle politisch engagiert und brachte 1961 im Jugendparlament eine Interpellation vor mit dem Thema «Lehrermangel an der Kantonsschule und Abwanderung staatlicher Beamter in die Privatindustrie».

Studium und erste politische Erfahrungen

1963 begann Kurt Schüle sein Studium der Nationalökonomie in Zürich. Sein politisches Interesse und sein Engagement neben dem Studium sind beachtenswert. 1963 wurde er zum Abteilungsleiter-Stellvertreter der Pfadfinderabteilung Schaffhausen ernannt. Auch war er 1967 ein grosser Befürworter des Frauenstimmrechts. Gleichzeitig absolvierte er parallel zum Studium den Militärdienst bis zum Offizier. 1968 wurde er in den Grossen Stadtrat der Stadt Schaffhausen gewählt.

Berufliche Laufbahn

1970 wurde Kurt Schüle zum Finanzkontrolleur der Stadt Schaffhausen ernannt. 1974 wechselte er in die Industrie und arbeitete in der Abteilung Konzernfinanzen beim Schaffhauser Industriekonzern Georg Fischer +GF+. Später machte er sich als Unternehmensberater selbständig.

Politische Karriere

  • 1972–1980: Kantonsrat (FDP)
  • 1980–1990: Nationalrat (FDP)
  • 1991–1999: Ständerat (FDP)

Als Parlamentarier engagierte sich Schüle besonders in der Finanz- und Wirtschaftspolitik sowie für Umweltthemen. Er war in verschiedenen wichtigen Kommissionen tätig und setzte sich für die Interessen der Grenzregionen ein.

Kurt Schüle hinterliess deutliche Spuren in der Schweizer Politik. Er initiierte 1978 einen wegweisenden Vorstoss zur Schaffung einer kantonalen Wirtschaftsförderung, der zwar zunächst abgelehnt, später aber als Vorbild umgesetzt wurde.

Als einer der ersten prominenten Freisinnigen engagierte er sich stark für Umweltthemen und gehörte zu den Erstunterzeichnern der «Volksinitiative zum Schutz der Gewässer» 1984.

Zudem setzte sich Kurt Schüle erfolgreich für eine grössere Autonomie der Grenzregionen ein, was zu den Interreg-Programmen führte und neue Direktkontakte auf kommunaler und kantonaler Ebene ermöglichte.

Weitere Engagements

  • 1986: Präsident der Nachrichtenagentur «Schweizerische Politische Korrespondenz»
  • 1993–1997: Präsident des Schaffhauser Heimatschutzes
  • 1990–2003: Chefredaktor der Fachzeitschrift «Der Schweizer Treuhänder»

Privatleben und Interessen

Kurt Schüle war ein begeisterter Sportler und Naturliebhaber. Der Rhein, lange Wanderungen auf dem Randen oder in den Bergen sowie ausgedehnte Langlauftouren hatten es ihm besonders angetan. 2016 wurde er in den Verein der Kadettenoffiziere KOS aufgenommen.

Vermächtnis

Sein Engagement für Finanzpolitik, Umweltschutz und regionale Interessen prägte seine politische Karriere und hinterliess bleibende Spuren.

1985 verbesserte Kurt Schüle die Situation des Stipendienwesens im Kanton Schaffhausen, das bis dahin bürokratisch und knausrig aufgestellt war, mit seiner Motion «für die freiwillige spätere Rückzahlung von Stipendien in einen Stipendienfonds». Trotzdem blieben viele Probleme ungelöst.

Es war Kurt Schüles Wunsch, eine Stiftung zu etablieren mit dem Ziel, Jugendliche aus der Region Schaffhausen zu unterstützen, die über geringe finanzielle Mittel verfügen. Damit kann eine grosse Lücke geschlossen werden.